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Photovoltaik im Betrieb verändert den Wert günstiger Mittagsstunden

LLorraine Tran

Eine eigene Photovoltaikanlage kann den Strombezug eines Unternehmens aus dem öffentlichen Netz deutlich verändern. Besonders interessant ist dabei das Zusammenspiel zwischen Solarstromerzeugung und betrieblichem Verbrauch. Wenn eine Anlage vor allem während der Mittagsstunden Strom produziert, kann sie genau in den Zeiträumen den Netzbezug reduzieren, in denen am Markt vergleichsweise günstige Strompreise auftreten können.

Für die Bewertung der verbleibenden Energiebeschaffung reicht es deshalb nicht aus, lediglich die jährliche Solarstromerzeugung zu betrachten. Entscheidend ist vielmehr, wann die Photovoltaikanlage Strom produziert, wann der Betrieb Energie benötigt und welche Mengen weiterhin aus dem Netz bezogen werden müssen.

Photovoltaik und Stromverbrauch zeitlich betrachten

Die Jahreserzeugung einer Photovoltaikanlage ist eine wichtige Kennzahl. Für die betriebliche Energiebeschaffung sagt sie jedoch allein noch nicht aus, wie stark sich der Netzbezug tatsächlich verändert.

Solarstrom entsteht nicht gleichmäßig über den Tag

Photovoltaikanlagen erzeugen ihren Strom abhängig von Sonneneinstrahlung und Wetterbedingungen. Typischerweise liegt die Erzeugung während der Tagesstunden und insbesondere rund um die Mittagszeit höher als in den frühen Morgen- oder Abendstunden.

Der betriebliche Stromverbrauch kann jedoch einem völlig anderen Muster folgen. Ein Unternehmen mit einem hohen Tagesverbrauch kann einen größeren Teil der Solarenergie direkt nutzen. Ein Betrieb mit überwiegendem Nachtbetrieb hat dagegen möglicherweise einen geringeren direkten Eigenverbrauch.

Eigenverbrauch beeinflusst den Netzbezug

Wird erzeugter Solarstrom direkt im Unternehmen genutzt, muss diese Energiemenge nicht aus dem öffentlichen Netz bezogen werden.

Dadurch verändert sich das Verbrauchsprofil des Unternehmens. Der verbleibende Netzbezug entspricht dann nicht mehr automatisch dem ursprünglichen Lastprofil.

Für eine genaue Betrachtung muss deshalb zwischen Gesamtverbrauch, Photovoltaikerzeugung, Eigenverbrauch und Netzbezug unterschieden werden.

Reststrom hat ein eigenes Profil

Nach der Installation einer Photovoltaikanlage verändert sich die Struktur der Strombeschaffung.

Der verbleibende Netzbezug

Wenn ein Unternehmen beispielsweise während der Mittagsstunden einen Teil seines Strombedarfs selbst deckt, reduziert sich der Netzbezug genau in diesen Zeitintervallen.

Das bedeutet, dass ein allgemeiner Börsenpreis-Durchschnitt möglicherweise nicht mehr exakt zu dem Preisprofil passt, das für den verbleibenden Netzstrom relevant ist.

Bei einer zeitabhängigen Beschaffung kann deshalb die Verteilung des Reststroms über einzelne Stunden oder andere Intervalle eine wichtige Rolle spielen.

Verbrauch und Netzbezug nicht verwechseln

Der gesamte betriebliche Stromverbrauch und der Strombezug aus dem Netz sind nach der Installation einer Photovoltaikanlage zwei unterschiedliche Größen.

Der Gesamtverbrauch kann beispielsweise aus selbst erzeugtem Solarstrom und Netzstrom bestehen. Ein Zähler für den Netzbezug zeigt daher nicht automatisch den vollständigen Energiebedarf des Unternehmens.

Eine belastbare Auswertung sollte diese Größen eindeutig voneinander trennen.

Warum günstige Mittagsstunden anders bewertet werden können

Photovoltaik verändert nicht nur die Menge des Netzbezugs, sondern möglicherweise auch dessen zeitliche Struktur.

Weniger Netzbezug bei hoher Solarproduktion

Wenn Solarstrom während bestimmter Tagesstunden einen Teil des Verbrauchs abdeckt, benötigt das Unternehmen in diesen Stunden weniger Energie aus dem Netz.

Sind diese Stunden gleichzeitig durch niedrigere Marktpreise gekennzeichnet, sinkt der Anteil dieser günstigen Marktstunden am verbleibenden Netzbezug.

Damit kann sich die Zusammensetzung des tatsächlich beschafften Stroms verändern, selbst wenn sich das allgemeine Marktpreisniveau nicht verändert.

Das Jahresmittel reicht nicht immer aus

Ein Jahresdurchschnitt kann für einen allgemeinen Marktüberblick hilfreich sein. Für die konkrete Beschaffung eines Unternehmens mit eigener Photovoltaikanlage kann jedoch eine zeitlich detailliertere Betrachtung erforderlich sein.

Relevant ist beispielsweise, wann der Betrieb Strom benötigt und welche Mengen zu diesen Zeitpunkten tatsächlich aus dem Netz bezogen werden.

Marktpreise mit den richtigen Mengen verbinden

Historische Strompreise können einen wichtigen Überblick über vergangene Marktbewegungen liefern. Für die Bewertung einer eigenen Photovoltaikanlage müssen diese Marktinformationen jedoch mit realen Betriebsdaten verbunden werden.

Historische Strompreise richtig einordnen

OPTUMs Einordnung historischer Strompreisekann dabei helfen, unterschiedliche Marktphasen und Preisentwicklungen verständlich zu betrachten.

Für die konkrete betriebliche Bewertung reicht ein historisches Preisdiagramm allein jedoch nicht aus. Es muss mit Informationen über Verbrauch, Erzeugung und Netzbezug kombiniert werden.

Messdaten schaffen eine bessere Grundlage

Für Unternehmen können beispielsweise folgende Daten relevant sein:

  • Stromverbrauch nach Zeitintervallen
  • Photovoltaikerzeugung
  • direkter Eigenverbrauch
  • Netzbezug
  • saisonale Verbrauchsmuster
  • Betriebszeiten
  • Wetter- und Erzeugungsbedingungen
  • vertragliche Preisbestandteile

Je genauer diese Informationen vorliegen, desto besser lässt sich die tatsächliche Wirkung der Photovoltaikanlage auf die Energiebeschaffung nachvollziehen.

Nachtbetrieb und saisonale Nutzung berücksichtigen

Nicht jeder Betrieb profitiert vom Solarstrom auf dieselbe Weise. Das betriebliche Lastprofil ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Analyse.

Unternehmen mit hohem Tagesverbrauch

Ein Betrieb mit regelmäßigem Energiebedarf während der Solarerzeugungszeiten kann einen größeren Anteil der erzeugten Energie direkt nutzen.

In diesem Fall kann die Photovoltaikanlage den Netzbezug während bestimmter Tagesstunden stärker reduzieren.

Unternehmen mit hohem Nachtverbrauch

Bei einem Betrieb mit Schicht- oder Nachtarbeit kann dagegen ein größerer Teil des Strombedarfs außerhalb der Solarerzeugungszeiten liegen.

Dann kann die jährliche Solarproduktion zwar hoch sein, ohne dass entsprechend viel des gesamten Verbrauchs direkt durch die Anlage gedeckt wird.

Saisonale Unterschiede

Auch die Jahreszeit beeinflusst das Zusammenspiel von Erzeugung und Verbrauch. Solarerzeugung und betrieblicher Energiebedarf können sich im Jahresverlauf unterschiedlich entwickeln.

Eine Betrachtung nur anhand einer jährlichen Gesamtsumme kann solche Unterschiede verdecken.

Investition und Beschaffung gemeinsam betrachten

Eine Photovoltaikanlage sollte wirtschaftlich nicht allein anhand einzelner Börsenpreise bewertet werden.

Investitionskosten berücksichtigen

Zu einer vollständigen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gehören unter anderem die Kosten der Anlage, Installation und gegebenenfalls weitere betriebliche Aufwendungen.

Dem können Einsparungen beim Netzbezug, mögliche Einnahmen aus überschüssiger Erzeugung und weitere wirtschaftliche Faktoren gegenübergestellt werden.

Die konkrete Bewertung hängt von den individuellen Rahmenbedingungen des Betriebs ab.

Speicher separat prüfen

Auch ein Batteriespeicher kann die zeitliche Nutzung von Solarstrom verändern. Er kann beispielsweise dazu dienen, erzeugte Energie zu einem späteren Zeitpunkt im Betrieb einzusetzen.

Eine Speicherentscheidung benötigt jedoch eine eigene technische und wirtschaftliche Analyse. Ein Preisdiagramm allein reicht nicht aus, um die optimale Speichergröße oder Betriebsweise zu bestimmen.

Anlaufphase und regulären Betrieb unterscheiden

Die ersten Monate nach der Installation einer Photovoltaikanlage können von besonderen Bedingungen geprägt sein.

Technische Einschränkungen dokumentieren

Anlaufphasen, Wartungen, technische Anpassungen oder zeitweise Einschränkungen können dazu führen, dass die gemessene Erzeugung nicht dem späteren regulären Betrieb entspricht.

Solche Zeiträume sollten bei einer langfristigen Bewertung entsprechend gekennzeichnet werden.

Daten über einen geeigneten Zeitraum betrachten

Für eine belastbare Planung kann es sinnvoll sein, zunächst ausreichend Betriebsdaten aus dem regulären Anlagenbetrieb zu sammeln.

Dadurch lässt sich besser erkennen, wie hoch Eigenverbrauch und Netzbezug tatsächlich ausfallen und ob die ursprünglichen Annahmen mit dem realen Betrieb übereinstimmen.

Beschaffung nach einer PV-Investition neu bewerten

Die Installation einer Photovoltaikanlage kann eine Anpassung der bisherigen Beschaffungsstrategie sinnvoll machen.

Nicht einfach die Solarproduktion vom Jahresverbrauch abziehen

Eine pauschale Rechnung nach dem Muster „Jahresverbrauch minus Jahreserzeugung gleich neuer Netzbezug“ kann die tatsächlichen zeitlichen Zusammenhänge nicht vollständig abbilden.

Wenn Solarstrom und Verbrauch zu unterschiedlichen Zeiten auftreten, kann der reale Netzbezug deutlich anders verteilt sein.

Das neue Lastprofil analysieren

Nach der Investition sollte daher untersucht werden, wann weiterhin Strom aus dem Netz benötigt wird.

Dabei können Tageszeit, Wochentage, Jahreszeiten, Produktionszeiten und Wetterbedingungen eine Rolle spielen.

Eine solche Analyse ermöglicht es, die zukünftige Beschaffung stärker am tatsächlichen Reststromprofil auszurichten.

Historische Marktpreise bleiben relevant

Auch nach der Installation einer Photovoltaikanlage bleibt die Betrachtung historischer Strompreise nützlich.

Markt und Eigenversorgung zusammen betrachten

Historische Preisverläufe können zeigen, welche Bedeutung unterschiedliche Tageszeiten und Marktphasen für die Energiebeschaffung haben können.

Die eigene Photovoltaikanlage verändert jedoch, welche dieser Marktpreise für den Betrieb tatsächlich relevant sind.

Vom allgemeinen Markt zum individuellen Betriebsprofil

Der entscheidende Schritt besteht darin, allgemeine Marktdaten mit dem konkreten Verbrauchs- und Erzeugungsprofil zu verbinden.

Dadurch wird aus einem allgemeinen Preisdiagramm eine individuellere Planungsgrundlage.

Fazit: Photovoltaik verändert auch die Beschaffungslogik

Eine Photovoltaikanlage reduziert nicht einfach pauschal den Jahresstromverbrauch eines Unternehmens. Sie verändert insbesondere die zeitliche Verteilung des Netzbezugs.

Für eine fundierte Bewertung sollten deshalb Gesamtverbrauch, Solarerzeugung, Eigenverbrauch und Netzbezug getrennt betrachtet werden. Ebenso wichtig sind Betriebszeiten, saisonale Unterschiede und die konkrete Preisstruktur des Liefervertrags.

OPTUMs historische Strompreisdaten können dabei helfen, Marktbewegungen und unterschiedliche Preisphasen einzuordnen. Für die konkrete Planung müssen diese Informationen jedoch mit realen Messdaten des Unternehmens verbunden werden.

Auch Investitionskosten, Speicheroptionen und die tatsächliche Nutzung der Photovoltaikanlage gehören in eine vollständige Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Anlaufphase und regulärem Anlagenbetrieb.

Eine gute Planung reduziert daher nicht einfach die bisherige Jahresmenge um die erwartete Solarproduktion. Sie betrachtet vielmehr, wann Solarstrom verfügbar ist, wann der Betrieb Energie benötigt und welche Mengen weiterhin aus dem Netz bezogen werden müssen. Genau diese zeitliche Betrachtung schafft eine nachvollziehbare Grundlage für die weitere Energiebeschaffung.

FAQ zur Photovoltaik und betrieblichen Strombeschaffung

Wie verändert eine Photovoltaikanlage den Strombezug eines Unternehmens?

Eine Photovoltaikanlage kann den Netzbezug reduzieren, wenn erzeugter Solarstrom direkt im Unternehmen verbraucht wird. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt vom zeitlichen Verhältnis zwischen Solarerzeugung und betrieblichem Verbrauch ab.

Ist die jährliche PV-Erzeugung entscheidend für die Wirtschaftlichkeit?

Die Jahreserzeugung ist eine wichtige Kennzahl, reicht allein aber nicht aus. Auch Eigenverbrauch, Netzbezug, Betriebszeiten, Investitionskosten und weitere Rahmenbedingungen sollten berücksichtigt werden.

Warum ist das Reststromprofil nach einer PV-Anlage wichtig?

Nach der Installation einer Photovoltaikanlage verändert sich der Zeitpunkt des Netzbezugs. Dadurch kann sich auch die Bedeutung verschiedener Marktpreise für die verbleibende Beschaffung verändern.

Warum sollte man Gesamtverbrauch und Netzbezug unterscheiden?

Der Gesamtverbrauch kann sowohl aus selbst erzeugtem Solarstrom als auch aus Netzstrom bestehen. Der Netzbezug allein zeigt deshalb nicht automatisch den gesamten Energiebedarf des Unternehmens.

Kann ein Batteriespeicher günstige Stromstunden ersetzen?

Ein Speicher kann die zeitliche Nutzung von Solarstrom verändern, benötigt aber eine eigene technische und wirtschaftliche Prüfung. Ob und wann ein Speicher sinnvoll ist, hängt von Verbrauch, Erzeugung, Kosten und Betriebsweise ab.